Die Kneipe im Kiez in 10 Kapiteln:

Autorin: Sabine Thiesler

Die studierte Germanistik- und Theaterwissenschaftlerin ist in Berlin geboren und aufgewachsen, war einige Jahre lang Fernsehschauspielerin und Mitglied des Berliner Kabaretts "Die Stachelschweine". Heute arbeitet sie als Autorin und schreibt Drehbücher, z. B. für die Vorabendserie Drei Damen vom Grill sowie für einige Tatort und Polizeiruf 110-Folgen; ihr erster Roman heißt Der Kindersammler.

Produktion: RIAS 1987 | Laufzeit: ~ 300 Min. (exakte Angabe fehlt für die Teile 8-10 in den Unterlagen)
Diese Epsiode, die allerletzte, lief unter dem Titel "Damals war's - Geschichten aus dem Berlin der 20er Jahre".

Erstsendetermine 1987: 11.4. / 25.4. / 9.5. / 23.5. / 6.6. / 20.6. / 4.7. / Angaben für die Teile 8-10 fehlen

Erzählerin:
Edith Hancke
Mitwirkende:
Evelyn Meyka (Lisbeth Kakuschke, Besitzerin der ‹Molle›)
Holger Kepich (Franz Kakuschke, Schutzmann/Polizeiwachtmeister)
Erwin Schastock (Hans-Peter, ihr Sohn/Schiffsjunge)
Susanna Bonaséwicz (Johanna, ihre Tochter)
Erna Haffner (Oma Hedwig Gutschmidt)
Herbert Stass (Opa August, Vormund von Gerhard & Inge)
Wolfgang Condrus (Gerhard Buschmann, sein Enkel)
Christina Plate (Inge Buschmann, dessen Schwester)
Ingolf Gorges (Heinrich Weber, Pianist)
Horst Niendorf (Heinz Blaschke, Kapitän)
Christina Grabowski (Erna Klatt, Hauswartsfrau)
Otto Öhring (Fritze Klawitter, Berliner Göre)
Dorothea Hancke (Anna Paschunke, Hebamme)
Herbert Weissbach (Eugen Kimmel, Pfarrer)
Peter Schiff (Dr. Stawitzki)
Gerd Holtenau (Emil Dammrich, Fleischermeister)
Otto Czarski (Polizist Kruse)
Dieter Kursave (Polizist Specht)
Gerd Duwner (ein Schausteller)
Sabine Schmeller (Monika Harkspiel, Sekretärin)
Norbert Gescher (Kneipengast Willi)
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Männerstimmen (beim Skat i. d. Kneipe):
- Klaus Barten
- Dieter Kaßner
- Jörg Mattern
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Lautsprecherstimme: Detlef Bierstedt
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Am Klavier (1-3): Eckehard Scholl
Regie:
Bärbel Jarchow-Frey (1-4)
Dr. Robert Matejka (5-7)
Manfred Marchfelder (8-10)
Regieassistenz: Christiane Ohaus, Klaus-Michael Klingsporn (5-7)
Schnitt: Karin Buschmann, Peter Seifert, Silvia Schwuttke
Ton: Rainer Czekalski, Hans Martin

Kurzüberblick:

Die Geschichte beginnt am 23. Oktober 1920 und erstreckt sich über einen Zeitraum von gut vier Jahren. Groß-Berlin ist gerade mal drei Wochen alt: 14 kleine Dörfer sind eingemeindet worden, darunter auch Charlottenburg, wo sich die Geschichte zuträgt.

1. Kapitel:
Wir erfahren, daß Lisbeth Kakuschke in der Sophie-Charlotten-Straße Nr. 17 eine kleine Kneipe namens ‹Molle› führt, wie Fritze Klawitter frühmorgens eine Fensterscheibe der Kneipe einwirft und Erna Klatt den Übeltäter auf frischer Tat ertappt.
Daß Lisbeths Gatte 'Franzemann', der bei der Polizei ist, seinen 50. Geburtstag begeht und wie die Tochter Johanna in aller Herrgottsfrühe vom 'Spaziergang' nach Hause kommt und sich deswegen den Zorn ihres Vaters zuzieht - wo sie war, verschwiegt sie standhaft.
Schließlich lernen wir noch Opa August kennen, ehemals Kohlenhändler, und den Sohn Hans-Peter, der als Schiffsjunge auf Käpt'n Blaschkes ollem Vergnügungsdampfer ‹Alte Frieda› den Landwehrkanal rauf- und runterschippert.

2. Kapitel:
Wie sich am Nachmittag alle zur große Geburtstagsfeier auf dem Ausflugsdampfer treffen und kräftig schwoofen, Vater Kakuschke und Blaschke große Reden schwingen und der Pfarrer eine Grabrede hält.
Wie Johanna - die gelernte Schneiderin ist z. Zt. arbeitslos - zur Klavierbegleitung singt und dafür vom vornehmen Schnösel Gerhard bewundert wird. Der schwärmt von der "Goldenen Zukunft", empfiehlt ihr die Schauspielschule von Max Reinhardt.
Seine Schwester Inge stellte der Familie den Musiker Heinrich Weber, Student an der Musikhochschule, vor. Auch der ist sehr angetan von ihren Künsten und bietet sogleich Unterricht an, worauf Gerhard schließlich aus lauter Kummer zu tief ins Glas schaut - wo er doch so einen empfindlichen Magen hat... - und nach vier Doppelkorn über Bord ins Wasser fällt.

3. Kapitel:
Daß Gerhard, der für Kneipen eigentlich nichts übrig hat, nun fast jeden Tag die ‹Molle› aufsucht, Oma Hedwig krank wird, wegen des Streiks der 'Elektrizitätsler' in Groß-Berlin der Strom ausfällt und Käpt'n Blaschke von seinem Ausflug in ein zwielichtiges Etablissement mit Schönheitstänzerinnen und allem Pipapo berichtet, daß sich als eher abregendes Nepplokal entpuppt.
Wie Johanna zum Faßanstechen im Bierkeller verschwindet und dort beim Schäferstündchen mit Gerhard von ihrer Mutter 'in flagranti' ertappt wird, wie Heinrich in der Kneipe auftaucht um sich beim jungen 'Frollein' wieder in Erinnerung zu bringen und zum Klavierspielen gegen ein Glas Bier bleibt - und Gerd schließlich von Franzemann achtkantig 'rausgeschmissen wird.

4. Kapitel:
Wir erleben, daß Heinrich und Inge sich beim Rummel im Tiergarten treffen und 'ne Menge Süßholz raspeln; Heinrich und Hans-Peter in der Laubenkolonie Weißensee dessen kranke Oma Hedwig besuchen, Holz für'n Winter hacken und sich überhaupt rührend um sie kümmern.
Dann freut sich Gerhard über sein Examen, und Inge berichtet ihm von Heinrich und Johannas regelmäßigen Treffen. Gerd traut sich nach 'zig Wochen mal wieder in die ‹Molle› - wo wir Zeuge sind, wie er seinem vermeintlichen Widersacher den Klavierdeckel auf die Pfoten haut! - und danach Hanna vor versammelter Mannschaft einen Heiratsantrag macht.

5. Kapitel:
Wie Gerhard mit Johanna ins Kleine Schauspielhaus/Theater zu Arthur Schnitzlers skandalumwitterten Stück "Der Reigen" entschwindet, und seine Schwester Inge dem Liebespaar ein Schweigegeld abpreßt; Kapitän Blaschke Hans-Peter wegen wirtschaftlich schlechter Lage im Winter kündigen muß - und daß brieflich, woraufhin der Sohn Rache schwört und wutschnaubend die Kneipe verläßt.
Hartnäckige Nachfragen zum Stück beantwortet Johanna am nächsten Morgen recht einsilbig und uninspiriert. Wo doch in der Zeitung was anderes zu lesen ist, wie Opa August feststellt, der darin was von Krawallen und Stickbomben liest: "Skandal um Liebesreigen' lautet die Schlagzeile im 'Lokalanzeiger'. Trotz intensivsten Familien-Verhörs rückt sie aber nur mit der halben Wahrheit heraus.
Und schließlich platzt Blaschke mit der Meldung ins Haus, daß letzte Nacht die ‹Alte Frieda› in Flammen aufgegangen und völlig ausgebrannt ist.

6. Kapitel:
Und einen Verdacht hat er auch schon - prompt steht die Polizei vor der Tür und präsentiert den verdutzten Eltern einen Haftbefehl. Angeblich hatte Hans-Peter in der ‹Witwe Bolte› bis in die Puppen gezecht, aber Zeugen dafür lassen sich keine finden. Daß der Schlüssel zur Kajüte fehlt, ist ein weiteres Mysterium und Hans-Peter wird folglich verhaftet und wird 'ne Weile brummen - da helfen auch Mutter Kakuschkes Tränen nichts.
Die Buschmann-Fraktion hält ihn für unschuldig, auch Gerhard - wie praktisch, daß der nun als Rechtsanwalt tätig ist und ihn verteidigen will. Nur für Opa August ist die Sache klar: Wer soll's denn sonst gewesen sein? Von der Kaksuchek-Sippe sollten sie sich man lieber fernhalten. Komisch nur, daß Inge sich neuerdings so selten blicken läßt, andauernd hängt sie mit ihrer Freundin Hannelore zusammen, die bloß noch niemand je zu Gesicht bekommen hat.
Dann stellt sich heraus, daß Hans-Peter dem Liebespaar die Schlüssel für ihr 'Liebesnest' auf dem ollen Kahn überlassen hat. Gerhard macht sich auf die Suche nach dem Täter und erfährt von Dr. Stawitzki, daß er Inge abends noch gesehen und ein Stück Wegs bis zum Kanal mitgenommen hat. Die gesteht bald, daß sie in dem Nachtlokal namens ‹Bertas Destille›, in dem Heinrich als Pianist arbeitet, als Schönheitstänzerin tätig ist. Wegen einer Razzia hätten sie sich früh aus dem Staube machen müssen und auf dem Nachhauseweg in der Kajüte noch Licht brennen sehen.
Also finden sich keine Verdächtigen - hat womöglich Käpt'n Blaschke seinen ollen Kahn selbst angezündet, sich "warm sanieren" wollen und will Hans-Peter die Schuld in die Schuhe schieben?

7. Kapitel:
Während Sohnemann noch immer einsitzt, hängen Johanna und Inge, die sich in letzter Zeit nicht besonders 'extra' fühlt, ständig zusammen und klagen sich gegenseitih ihre Probleme. Als Inge einmal sogar ohnmächtig wird und in der Kneipe dabei die "Golden Porzellanserie" zerdeppert, suchen sie deswegen Dr. Stawitzki auf - der diagnostiziert bei ihr eine Schwangerschaft!
Gerhard schenkt der Aussage seiner Schwester (Kap. 6) jedoch keinen Glauben, weil die beiden sich bezgl. ihrer überhasteten Rückkehr in Widersprüche verwickeln und partout keine weiteren erhellenden Auskünfte geben wollen. Durch gutes Zureden gesteht Inge, am fraglichen Abend nach Gerhard und Johanna mit Heinrich an Bord der ‹Alten Frieda› gewesen zu sein. Unachtsamkeit mit einer Petroleumlampe hätte dann den Brand ausgelöst - fahrlässige Sachbeschädigung, so die Analyse des Rechtsexperten. Zwar wird die Versicherung den Schaden begleichen, doch die beiden werden schwer abzuzahlen haben.
Den Freispruch und die Doppel-Verlobung feiern alle in der ‹Molle› bei Bier und Schweinebraten, im Frühjahr gibt's dann eine Doppelhochzeit. Und auch Käpt'n Blaschke ist als Gast geladen. Der freut sich über die neue Frieda und bietet Hans-Peter seine alte Stellung an.

8. Kapitel:
Zeitsprung - zweieinhalb Jahre später: Ende 1923 steht ganz Berlin Kopf wegen der galoppierenden Inflation: Wieviele Nullen hat 'ne Billion? Opas Erspartes taugt nur noch zum Zigarrendrehen, ein Schnaps kostete 120 Mio., ein 4-Pfd.-Brot 420 Mrd. Mark gerade soviel wie Franzemanns Gehalt beträgt - Rundfunkempfänger sind übrigens der neueste Schrei!
Opa August betreibt Tauschgeschäfte auf dem Schwarzmarkt, um selbstgebrannten Schnaps für die Kneipe zu bekommen. Mit den Papiermillionen kann Hans-Peter seine Schulden von 10.000 Märkern bei der Versicherung auf einen Streich begleichen.
Beide Pärchen sind schon über zwei Jahre verheiratet, Heinrich & Inge erfreuen sich an ihrem süßen Sohn, dem Ede. Johanna ist hochschwanger, der Doktor hat gleich zwei Herztöne gehört.
Oma Hedwig verstirbt an einem Herzinfarkt und Johanna gebärt Zwillinge! Alles am selbenTag: »Einer stirbt, einer wird geboren - so muß das sein in der Welt«. Das Testament bestimmt Hans-Peter zum Erben der Laube, der dann zum Leidwesen der Eltern ausziehen wird.
Franzemann hat Reserven für Notfälle in der Hinterhand - ein 20-Mark-Goldstück würde für Omas Beerdigung reichen - was Opa August komplett gegen den Strich geht, in der Kneipe wäre es seiner Meinung nach besser angelegt.
Dr. Stawitzki verkündet die Zwillingsgeburt - ein Mädchen und ein Junge, die Margot (später Mulleken genannt) und Max getauft werden sollen. »Erst ein solches Unglück, und denn so'ne Freude«, philosophieren die alten Kakuschkes, nun Oma & Opa, ein zweites Mal.

9. Kapitel:
Ende der Inflation mit Einführung der Rentenmark. Gerhard arbeitet jetzt als Rechsanwalt in einer Kanzlei, aber mit seiner Ehe stehts nach nur einem halben Jahr nicht zum Besten. Er arbeitet sich tags- und nachtsüber "dumm und dusselig" und zieht danach oft durch die Kneipen - die Kinder rauben ihm den letzten Nerv, seinen Frust läßt er an seiner Frau aus: Hausarbeit, stinkende Windeln und plärrende Babies - es interessiert ihn nur die Juristerei, klagt Johanna.
Johanna läßt sich nix gefallen, holt Oma und Opa herbei, die sie lange nicht gesehen hat und klagt ihr Leid. Auf deren Anraten verläßt sie mit den Zwillingen die gemeinsame Wohnung in Lichterfelde-Ost und quartiert sich in ihr Elternhaus ein. Als Gerhard das spitz kriegt, setzt er ein Ultimatum für die Rückkehr - aber Hanna hat ihren Stolz und bleibt hart; Inge sehnt sich nach einem zweiten Kind.
Ein großer Familienausflug auf die Trabrennbahn ist für Sonntag geplant. 'Blumenwiese' verhilft Opa August bei fünf Mark Einsatz zu einem respektablen Wettgewinn; Johanna hingegen Pech mit 'Friederike'. Überraschend taucht auch Gerhard auf, obwohl der angeblich mal wieder keine Zeit hatte - im Schlepptau eine aufgetakelte Dame, die er als Frl. Harkspiel, Sekretärin in seiner Kanzlei, vorstellt. Man ist allgemein bedient, zumal Gerhard mit 'Kolumbus' Glück hat: 5000 Märker kann er einstreichen.

10. Kapitel:
Gerhard intereressiert sich nur für Paragraphen, weshalb sich alle in der ‹Molle› treffen um zu beratschlagen, wie der Familienfrieden wieder hergestellt werden kann: Hans-Peter, noch alleinstehend, wird dazu auserkoren, Gerhard das bayrische 'Zuckerpüppchen' Monika Harkspiel auszuspannen! Er wehrt sich nur kurzzeitig - gesagt, getan, sucht er sie in der Kanzlei auf und läßt seinen Charme spielen.
Gerhard hat vom Renngewinn ein offenes Auto gekauft und will fortan sein Leben genießen - notfalls auch ohne Hanna. Nun trifft er sich mit Hans-Peter in Omas alter Laube, sie unterhalten sich von Mann zu Mann. Sein Schwager fühlt ihm wegen dem Frl. Harkspiel und seinen Vorstellungen bezüglich der Familie auf den Zahn. Dabei bleibt es nicht bei einem Glas, mehr als angeschickert soll Gerhard besser in der Laube übernachten. Dann trennen sich die Wege...
Opa August kommt mit schlechter Nachricht: Gerhard ist mit seinem neuen Auto im Teltow-Kanal 'baden' gegangen, hat die Straße nicht getroffen und ins Wasser gestürzt, weil er zu tief ins Glas geschaut hat. Ein gebrochener Arm und die Kniescheibe links bescheren ihm einen Aufenthalt in der Charité. Prompt beschuldigt Johanna ihren Bruder, ihren Gatten erst betrunken gemacht zu haben und dann nicht gebührend aufgepaßt zu haben wo er doch wissen mußte, daß er nichts verträgt.
Schließlich treffen sich alle am Krankenbett, der Schreck hat ihn schließlich zur Besinnung gebracht und sie feiern Versöhnung. Frl. Harkspiel verkündet ihre Verlobung mit Hans-Peter - denn »Familie Kakuschke heiratet man immer komplett«.
So ist der Sohn im 7. Himmel, Gerhard wieder auf'm Teppich und beide fangen noch einmal von vorne an.

[Laufzeit je Folge ca. 26-33 min.]

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